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Projekt D - Diversitätskompetenz in der beruflichen Bildung und Berufsvorbereitung

Mit ihrem Projekt D setzt die Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen e.V. (GFBM) an einem entscheidenden Scharnier beruflicher Bildung an: Mit der Strategie, Diversity-Kompetenz auf Seiten von Lehrenden und Lernenden zu etablieren, soll die Vielfalt der individuellen Voraussetzungen Jugendlicher mit und ohne Migrationshintergrund erkannt, gestärkt und nutzbar gemacht werden. Darüber soll den Jugendlichen zu verbesserten Chancen in Bildung und Ausbildung, in der öffentlichen Wahrnehmung und beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf verholfen werden.


I. Die Ausgangssituation

Vielfalt und Verschiedenheit werden meist – zumindest in der Theorie - als Reichtum, Ressource und Chance für gesellschaftliche Entwicklung betrachtet. Insbesondere für die Ausbildungs-– und Berufswelt hat sich in den letzten Jahren der Begriff „Diversity“ als geflügelter Begriff etabliert.

Dass die vielfältigen Begabungen junger Menschen in Schule, Ausbildung und Beruf sich dennoch selten entfalten und ausdrücken können, ist unter anderem auf einen falsch verstandenen Gleichheitsgrundsatz zurückzuführen, der sie zu konformem Lernen verpflichtet.

Zwar wird immer wieder gefordert, Erziehung und Unterricht müssten individualisiert werden, tatsächlich aber besteht in der Schule kaum die Möglichkeit, auf die besonderen Voraussetzungen und Eigenschaften der Einzelnen einzugehen. Die SozialpädagogInnen, LehrerInnen, AusbilderInnen stehen im Unterricht immer der Gesamtheit der Jugendlichen gegenüber. Weder können sie jeden einzelnen jungen Menschen individuell fördern, noch in einer Klassengruppe auf die Vielfalt der Begabungen, der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, auf die kulturellen, sozialen, religiösen, ethnischen und physiologischen Voraussetzungen der Jugendlichen eingehen.

Mit dem Projekt D - Diversitätskompetenz in der beruflichen Bildung und Berufsvorbereitung setzt die Gesellschaft für berufsbildende Maßnahmen e.V. (GFBM) an diesem entscheidenden Scharnier beruflicher Bildung an: „Es wird Zeit, Vielfalt zu verstehen und sie als Faktor produktiv zu nutzen.“ so formuliert die Projektverantwortliche die Beweggründe für das Projekt.


II. Das Konzept

Mit dem Xenos-Vorhaben zielt die GFBM langfristig darauf, die Vielfalt der individuellen Voraussetzungen Jugendlicher mit und ohne Migrationshintergrund zu erkennen, zu stärken und nutzbar zu machen. Konkret soll den Jugendlichen zu verbesserten Chancen in Bildung und Ausbildung, in der öffentlichen Wahrnehmung und beim Übergang von der Ausbildung in den Beruf verholfen werden.

Um diesem Ziel entsprechen zu können, hat sich das Projekt mehrere  Aufgaben gestellt:

  1. Es werden Fortbildungen für den kompetenten Umgang mit Diversität für MitarbeiterInnen der GFBM e.V. und anderer Bildungsträger durchgeführt. Neben der Sensibilisierung für den Umgang mit Vielfalt werden neue Handlungsspielräume für das berufliche Handeln erarbeitet.
  2. Die Anpassung von Kompetenzermittlung und Förderplanung unter Berücksichtigung von Diversitätsaspekten soll dazu beitragen, individuelle Stärken der Auszubildenden sichtbar zu machen und zu fördern.
  3. Durch die Verknüpfung von Diversitätskompetenz mit den fachlichen Anforderungen in den Ausbildungsbereichen Handel und Bau sollen die Auszubildenden dazu befähigt werden, den kompetenten Umgang mit Vielfalt in ihrer beruflichen Praxis umzusetzen. Dazu werden gemeinsam mit LehrerInnen und AusbilderInnen in den genannten Bereichen modulare Lernprojekte in der Fachpraxis und Unterrichtseinheiten in der Fachtheorie entwickelt, die erprobt und in die fachliche Ausbildung implementiert werden sollen.
  4. Diversity-Trainings für Auszubildende in den Bereichen Bau und Handel sollen für den kompetenten Umgang mit Vielfalt sensibilisieren.

Die MitarbeiterInnen sollen so qualifiziert werden, dass sie die Jugendlichen in Ausbildung und Berufsvorbereitung in ihrer Verschiedenheit sehen und stärken können. Auch die LehrerInnen der kooperierenden berufsbildenden Schulen werden einbezogen.

Das pädagogische Personal des Trägers und der Oberstufenzentren erfährt eine umfassende Einführung in das komplexe Lern- und Arbeitsfeld der Diversitätskompetenz. Dieser Ansatz beinhaltet insbesondere:

  • sich eigene Denk- und Handlungsmuster bewusst zu machen und zu relativieren,
  • sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede bewusst wahrzunehmen und anzuerkennen,
  • Individualität umfassend zu würdigen und zu nutzen,
  • offen für die Potentiale von Diversität zu sein, um Synergieeffekte erreichen zu können.
Die in diesem Zusammenhang erreichte Kompetenz nützt den Beteiligten, um in ihrer Arbeit mit den Jugendlichen diese für die Thematik aufzuschließen und zu gewinnen. Sie werden u.a. auch befähigt, eigene interkulturelle und diversitätssensible Unterrichtssequenzen zu planen und zu verwirklichen. Darüber hinaus benötigen die MitarbeiterInnen im Bereich Bau und Handel diese Qualifikationen, um gemeinsam mit dem Projekt D exemplarisches Unterrichtsmaterial für den Fachunterricht zu erstellen.


III. Strategische Kooperation

Mit dem Projekt Sprachförderung in der Berufsvorbereitung und Berufsausbildung (SPAS) unterstützt die GFBM berufsbildende Schulen seit Jahren dabei, die sprachliche  und kommunikative Kompetenz der Jugendlichen zu verbessern. Diese Arbeit hat es dem Träger erleichtert, die Oberstufenzentren in den Bereichen Bau und Handel für das aktuelle Projekt zu interessieren.

Mit Vertretern der IHK, HWK, des SPI Consult, der Agentur für Arbeit, des Jobcenters, des Jugendamtes, der Kompetenzagentur (KompaX) konnte ein Projektbeirat gebildet werden, der sowohl den Projektverlauf unterstützend begleitet als auch in der augenblicklichen Phase dabei hilft, das Vorhaben über den Zuwendungszeitraum hinaus zu etablieren.

Darüber hinaus wird Expertise eingeworben, indem mit einschlägig arbeitenden Trägern wie „Eine Welt der Vielfalt Berlin e.V.“, mit dem „Entwicklungspolitischen Bildungs- und Informationszentrum e.V. Berlin“ (EPIZ), dem „Archiv für Jugendkulturen“ oder auch dem „Bildungsteam Berlin Brandenburg“ Kooperationen vereinbart und Veranstaltungen geplant werden. Diese haben sich als wichtig erwiesen, weil jeder dieser Partner in besonderer Ausprägung das Denken der Jugendlichen und ihre Ausdrucksformen wahr- und aufnimmt.


IV. Ziele, Inhalte, Methoden

Methoden der beruflichen Förderung von Benachteiligten sind bereits weitgehend erprobt. Sie werden nun mit den neu entwickelten und noch zu erarbeitenden Instrumenten zur Diversitätskompetenz verschränkt. Insbesondere geht es hier um die der Vielfalt zu Grunde liegenden Merkmale:

  • Ethnische Herkunft
  • Religion/Weltanschauung
  • Geschlecht
  • Alter
  • Behinderung Sexuelle Identität.

Die Trainingsmethoden sind informations- und vor allem erfahrungsorientiert: In Gruppenarbeiten, Simulationen, Rollenspielen und Kommunikationsübungen, die mit theoretischen Inputs ergänzt werden, lernen die Projektteilnehmer_innen auf drei Ebenen. Sie werden zum einen für Aspekte von Diversität sensibilisiert und erwerben zum anderen gleichzeitig Methodenkompetenz. Darüber hinaus   sind sie zugleich Anwender_innen der neu erworbenen Kompetenzen: Sie reflektieren selbst eingebrachte Fallbeispiele und erarbeiten neue Handlungsspielräume für ihre berufliche Praxis.

Das Projekt hat für diese Aufgabe ein gefächertes Konzept erarbeitet:

  • Thematische Workshops, z.B. zum Schwerpunkt „Muslimische Lebenswelten“, „Geschlechterrollen“ oder „Jugendkulturen“
  • Fortbildung in Diversitätskompetenz für MitarbeiterInnen: Methoden kennen lernen und anwenden
  • Fortbildungen für Fachtheorie- und FachpraxislehrerInnen an den OSZ Diversity-Trainings zur Sensibilisierung von Auszubildenden im Bereich Bau und Handel
  • Erarbeitung von Unterrichtseinheiten: Diversitätskompetenz in Verschränkung mit dem Fachunterricht/Fachpraxis in der Berufsvorbereitung und Berufsausbildung mit allen Beteiligten aus Schulen und aus dem Trägerzusammenhang in den Bereichen Bau und Handel
  • Kompetenzermittlung und Förderplanung unter Diversitätsaspekten.

Inhaltlich geht es bei allen methodischen Elementen um das professionelle Handeln in der beruflichen Arbeit. Mit Hilfe von Selbstreflexion, Wissen über Faktoren, die soziale Prozesse beeinflussen, über den Umgang mit dem Fremden, sowie Konfliktlösungsstrategien, Perspektivwechsel und Kommunikationsmethoden sollen Handlungsspielräume erkannt und umgesetzt werden.

Die TeilnehmerInnen werden dabei insbesondere auf eine selbständige Anwendung und Weiterentwicklung der Anregungen durch das Projekt vorbereitet, denn die Entwicklung von Diversitätskompetenz ist als ein Prozess lebenslangen Lernens zu begreifen.

 

V. Erfolgsfaktoren

Das Xenos-Projekt D ist innerhalb der GFBM e.V. bekannt und wird von den Mitarbeiter_innen interessiert wahrgenommen. Die Selbstevaluation erweist sich dabei als besonders hilfreich, weil auch beiläufige Äußerungen und Diskussionen, die in  Arbeitspausen oder bei zufälligen Flurbegegnungen stattfinden, festgehalten und für die Entwicklungsarbeit genutzt werden können.

Dass der augenblickliche Projektstand auf Projekterfolg hindeutet, beruht außerdem zu großen Teilen auf der Flexibilität und fortwährenden Neujustierung des Projektes:

  • Das Unterrichtsmaterial entsteht Projekt begleitend. Es wird andauernd verbessert und dient dazu, die sich im Verfertigungsprozess befindenden Module zu überarbeiten, anzupassen, zu verschlanken und damit dem deutlicher werdenden Praxisbedarf anzupassen. Es kristallisiert sich beispielsweise ein besonderer Bedarf hinsichtlich der Auseinandersetzung mit dem Islam und muslimisch geprägten Auszubildenden bzw. Teilnehmenden heraus. Darauf reagiert Projekt D mit einem flächendeckenden Angebot des Workshops „Muslimische Lebenswelten“ innerhalb der GFBM e.V.
  • Die Unterrichtsmodule müssen gleichzeitig die Jugendlichen individuell ansprechen und den Diversitätsaspekt als Lernprinzip im zu erarbeitenden Material verankern. Das verbindende Element dieser beiden Anforderungen wurde im Laufe des Projektes identifiziert. So greifen beispielsweise die Mitarbeiter_innen des Projekts im Bereich Bau auf Handwerkstraditionen, dabei spezifisch auf die Kultur der „Zünfte“, zurück und stellen diese vor, um damit eine Brücke zur aktuellen Arbeitssituation zu schlagen. Ziel ist es dabei, die Jugendlichen zu motivieren, den kompetenten Umgang mit Vielfalt in ihre Arbeitsweise zu übernehmen. Die Verknüpfung mit modernen handlungsorientierten Lernformen – z.B. im Lernfeld Kundenorientierung stellt ein weiteres Bindeglied zu fachlichen Anforderungen dar und unterstützt die nachhaltige Verankerung des Erlernten.
  • Ursprünglich stark auf Konfliktmanagement orientiert, steht der kompetente Umgang mit Diversität nun für das professionelle Handeln im Vordergrund.


VI. Herausforderungen

Die Anerkennung und Wertschätzung von Vielfalt und Verschiedenartigkeit als ein zentrales Merkmal von Diversitätskompetenz ist bei den an den Fortbildungen teilnehmenden MitarbeiterInnen großenteils in ihrer grundsätzlichen Einstellung vorhanden. Dieses bildet die Basis für eine Konzeption, die sich vorgenommen hat, Diversität in der Praxis tatsächlich produktiv wirksam für die Ausbildung und die Berufsvorbereitung benachteiligter Jugendlicher zu machen. Jedoch steht das Projekt D auch vor einigen Herausforderungen.

Das Unterrichtmaterial passgenau für die Bereiche Bau und Handel auszuarbeiten und als Materialpaket zu verbreiten wird als eine Hauptaufgabe angesehen. Als schwierig für die Konzeption des Materials erweist sich jedoch, dass die Rahmenpläne interkulturelle Orientierung zwar als Aufgabe schulischen Lernens beschreiben, bisher aber nicht darlegen, wie und wo dieses Querschnittsthema vermittelt werden soll. Selten wird es von den Schulen als fächerübergreifendes Lern- und Arbeitsprinzip gesehen. So findet interkulturelles Lernen zumeist lediglich im Sozialkunde- und Deutschunterricht ohne praktischen Bezug zum Beruf statt.

Angesichts knapper Ressourcen ist es darüber hinaus schwierig, TeilnehmerInnen für die Fortbildungen zu gewinnen. Es  ist nicht zu übersehen, dass der Arbeitsdruck bei den Bildungsträgern derartig gewachsen ist, dass dem Personal kaum noch Zeit und Kraft für Fortbildungen bleibt.

Es hat sich aus Gründen der Projektarchitektur  und der Bedingungen der Kofinanzierung als nicht umsetzbar erwiesen, die LehrerInnen der beteiligten Berufsschulen voll in den Fortbildungszusammenhang zu integrieren. Das Projekt konzentriert sich daher in erster Linie auf die Qualifizierung der eigenen MitarbeiterInnen. Zwar werden die Lehrer_innen bei der Konzeption von Unterrichtsmaterialien mit einbezogen, es wird aber im Sinne der Implementierung und Nachhaltigkeit des Projektes darauf ankommen, Mittel und Wege zu finden, die Schulen samt Lehrpersonal wie beabsichtigt einzubinden.


VII. Perspektiven

Managing-Diversity ist ein Zukunftsthema. Auch wenn das in vielen gesellschaftlichen Bereichen noch nicht erkannt worden ist. Wenn es durch verbesserte Vernetzung der in diesem Zusammenhang agierenden XENOS-Projekte gelingt, sowohl die Projektpraxis als beispielhaft darzulegen, als auch Ressourcen zu erschließen, könnten durch ein gemeinsames Vorgehen langfristig Anstöße zu strukturellen Änderungen erreicht werden.

 

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