XENOS-Panorama-Berlin

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
E-Mail Drucken

BIKA Mitte

Engagement, Ideen und Konzepte für die interkulturelle Arbeit sind gefragt, wenn es um den erfolgreichen Start Jugendlicher in Arbeit oder in eine Ausbildung geht. Rat und Tat für Unternehmen und Institutionen, für Pädagogen und Eltern bietet BIKA Mitte, ein Netzwerk für alle, die sich um den Übergang Jugendlicher von der Schule zum Beruf im Bezirk Mitte kümmern.

 

I. Ausgangssituation

Jungen Menschen mit Migrationshintergrund stehen besondere Hindernisse im Weg, wenn sie sich um Ausbildung und Beschäftigung bemühen. Das gilt in starkem Maße für einige Quartiere des Bezirks Mitte, deren Einkommens- und Qualifikationsniveau mit verbreiteter Arbeitslosigkeit und mit Armut einhergehen.

Das beim Berliner Träger Bildungsmarkt angesiedelte Projekt Bündnis für interkulturelle Kommunikation in Arbeit und Ausbildung (BIKA Mitte) will dieser Gruppe den Start in Beschäftigung und Ausbildung erleichtern. Schulen, Eltern, Unternehmen, Peer Groups und Verwaltungen,  – sie alle sind für die Integration der Jugendlichen in Ausbildung und Arbeit wichtig – werden für Vielfalt und interkulturelle Kompetenz durch Beratung und Hilfen angesprochen und ausgerüstet. So soll eine „lokale Verantwortungsgemeinschaft“ entstehen, die den Jugendlichen mit vielfältigen Instrumenten eine aussichtsreiche Berufsorientierung erschließt.

 

II. Das Konzept

Das Projekt will den Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf durch eine Vielzahl an Informationsangeboten und Veranstaltungen bei unterschiedlichen Zielgruppen erleichtern und vorbereiten.

  • Mit Hilfe eines Internetportals werden umfassend aufbereitete Informationen ausgebreitet für alle, die entscheidend beteiligt sind, wenn die Schwelle zur Ausbildung überschritten werden soll
  • Jugendliche und Integrationslotsen werden mit medienpädagogischen Angeboten bei ihrer beruflichen Orientierung unterstützt
  • Für Unternehmen, Berater, Verwaltung, Jobcenter und Bildungsträger wird im Zusammenhang interkultureller Trainings auf die Chancen und Adaptionsbedarfe aufmerksam gemacht, die sich aus der kulturellen Vielfalt ergeben
  • Fachgespräche werden genutzt, um eigene Expertise zu vermitteln und externe einzuholen
  • die einschlägige Praxis europäischer Partner wird auf Transferchancen hin untersucht.

 

III. Inhalte und Methoden

Dem Projekt geht es um lokale Strukturen, die mit Expertise versorgt werden. Das betrifft explizit die lokale Verantwortungsgemeinschaft, die zur Zeit noch als ein Work in Progress einzuschätzen ist: Indem allmählich im Projektverlauf einzelne Träger, Lehrkräfte, Eltern, Unternehmen und Verwaltungen zu Kooperationen für Bildung und Ausbildung zu Bildungspartnerschaften zusammenwachsen, können die Ressourcen der Jugendlichen besser erkannt und gefördert werden. Das Internetportal organisiert Aktualität für das gesamte Unterstützungssystem und trägt gleichzeitig entscheidend zur Weiterentwicklung bei.

Mit dem beim Träger angesiedelten Lotsenprojekt die Brücke wird ein wesentlicher Arbeitszusammenhang geschaffen: BIKA unterstützt das Vorhaben und die einzelnen beteiligten Lotsen durch Fortbildung, Beratung und durch Lobbyarbeit, während die Lotsen im Kiez für das Projekt unterwegs sind. Die derzeit 56 Lotsen versorgen den BIKA Kiezatlas mit Informationen, Recherchen, Kontakten zu relevanten Angeboten und Akteuren im Kiez. Die Lotsen wissen über Entwicklungen im Stadtteil viel; ihnen fallen Kenntnisse beiläufig und umfangsreich zu, weil sie im Quartier ihren Lebensmittelpunkt haben.

Für Verwaltungsmitarbeitende veranstaltet BIKA Workshops und Seminare, die konzeptionell interaktiv und prozessorientiert angelegt sind. Sie bieten den Teilnehmenden die Möglichkeit, je eigene Schwerpunkte und Bedürfnisse mit individuellen Lösungen für die Probleme des jeweiligen Arbeitsfeldes zu verbinden. Unternehmen werden Beratung und Information zur interkulturellen Öffnung angeboten.

Vielfältige Angebote gibt es auch für die Jugendlichen selber: Mit Videointerviews wird beispielsweise Biographiearbeit zum wichtigen Instrument für berufliche Orientierung. Indem die Interviews präsentiert und reflektiert werden, entstehen den Jugendlichen Chancen, sich mit anderen auseinanderzusetzen, eigene Vorstellungen mit der Realität abzugleichen, zu erkennen, ob ihre Zukunftsorientierung mit der Realität korrespondiert.

Das Vorhaben baut auch auf Elternarbeit. Weil fast alle von BIKA beteiligten Lotsen Eltern sind, wird ihnen Weiterbildung im Sinne von Vielfaltsorientierung angeboten. Es gibt mediale Tools, mit denen es gelingt, Eltern und Kinder in einen fruchtbaren Dialog über die meist von Seiten der Eltern eher reserviert wahrgenommenen neuen Medien zu bringen.

 

IV. Kooperationen

Das BIKA-Bündnis umfasst augenblicklich sechs Partner:

  • BIKA ist aktives Mitglied im Integrationsbeirat Mitte. Der Bezirk sieht Integrationspolitik als Querschnittsaufgabe. Weil es ihm genau der Projektintention entsprechend um Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen geht, ergeben sich regelmäßig Möglichkeiten gegenseitiger Unterstützung.
  • Mit dem JobCenter Berlin Mitte werden interkulturelle Fortbildungen für Mitarbeiter durchgeführt.
  • Das Lotsenprojekt Die Brücke unterstützt in mehreren Büros in Mitte Menschen mit Migrationshintergrund bei allen Fragen, die in Alltag und Beruf relevant werden. Die Lotsen dieser Einrichtungen arbeiten BIKA zu und werden gleichzeitig vom Projekt mit zusätzlichen Kompetenzen versehen
  • Der Arbeitskreis Interkulturelle Orientierung Berlin Mitte umfasst Fachkräfte die gleichsam ein Kompetenzpool für Fragen der interkulturellen Orientierung/ Öffnung sind
  • Das Jugendfreizeitheim kubu ist eine offene Freizeiteinrichtung für Jugendliche im Berliner Stadtteil Moabit-Ost. Sie werden hier angesprochen und für BIKA interessiert
  • Schließlich wird ein fachlicher Austausch mit dem Europa Institut für Soziale Arbeit angestrebt. Das Institut ist der Alice Salomon Fachhochschule angegliedert.

 

V. Erfolgsfaktoren

Das Prinzip Aufklärung ist verlässliche Basis für alle Aktionen, die in den Feldern Berufsfindung und Berufsorientierung notwendig sind. Weil das gesamte System der Benachteiligtenförderung in den Blick genommen wird, beruht der Projekterfolg auf fortlaufend aktualisierter Expertise, die dem Bündnis erschlossen wird.

Die Fähigkeit, die Unternehmen anzusprechen und für das Projekt aufzuschließen, gerät zum wechselseitigen Vorteil. Als etwa BIKA Betrieben anbot, ihre Außendarstellung zu überprüfen und auf Diversitätsaspekte hin einzustellen, erreichte man deren erstaunte Aufmerksamkeit. Bis dahin war vielen nicht bewusst gewesen, dass geringe Bewerberzahlen um Ausbildungsplätze auch einer weniger attraktiven Selbstdarstellung zu schulden sind, dass modernes Matching auch angemessenes Auftreten der Unternehmen erfordert. Nicht länger nämlich konkurrieren junge Leute um Ausbildungsplätze, vielmehr müssen jetzt auch Unternehmen sich um die jungen Menschen  bemühen.

Jugendliche sind über neue Medien besonders anzusprechen. Diese Einsicht hat dazu geführt, Bildungsinteressen in Bezug auf Neue Medien aus den laufenden Maßnahmen heraus zu bedienen. Zukunftsreiche Berufe werden so vorgestellt, berufliche Orientierungen mit Medienberufen bekommen eine wissensgeleitete Basis.

Die interaktive Ausrichtung des Portals führt zu lebendigen Auseinandersetzungen, die gleichzeitig Einblicke in die Motivations- und Problemlagen der Jugendlichen Zielgruppen bieten. Durch das umfangreiche Angebot auf der Seite entstehen Synergien. In der face to face Kommunikation werden Rückmeldungen zur Bestätigung des Ansatzes.

Im Projektverlauf sind Dokumentationen, Handreichungen, kultursensible Instrumente, Lern- und Workshop Konzepte und Module für Medienarbeit, entstanden, die auch in Zukunft der Arbeit des Trägers eine verlässliche Basis versprechen.

 

VI. Herausforderungen

Die Informationsangebote sind umfassend, und sie sind aktuell. Allein es bleibt zu überlegen, wie die Zielgruppen, die mit je unterschiedlichen Voraussetzungen das Portal betreten, zu den ihnen gemäßen Inhalten gelangen und welche tatsächlich angenommen werden. Eine Navigation, die den jeweiligen Bedürfnissen der Zielgruppen entspricht, muss im Zentrum der Bemühungen stehen, um aus dem Portal ein handlungsrelevantes Konzept zu generieren.

Eine ähnliche Aufgabe stellt sich, wenn man den Bedarf der Betriebe ermittelt. So richtig es ist, sie auf die Chancen hinzuweisen, die sich kultureller Vielfalt ergeben, es wird wohl unumgänglich, spezifische Bedarfe und Qualifikationen – sowohl seitens der Betriebe als auch der potentiellen Arbeitnehmer_innen – zu erfassen, zu fördern und entsprechende Vermittlungsinstrumente zu entwickeln. Diese Form der Kooperation ist bisher kaum ausgearbeitet.

Die aktuellen Informationen aus der lokalen Umgebung - der Kiezatlas - zeigt Adressen und Anlaufstellen von Einrichtungen und Trägern auf, die für die Zielgruppen des Vorhabens wichtig sein könnten. Allein es fehlen Hinweise und Einschätzungen darauf, wer dort was erwarten kann, wo es methodische, politische, personelle Schnittstellen zur Arbeit von BIKA gibt, und wie sich die Gruppen produktiv in diese Kontexte einbringen könnten. Wenn es gelingt, den Kiezatlas gleichsam zu einem atmenden System zu erweitern, dann könnten sich Informationen mit Aktionen zu einem produktiven Zusammenhang verschränken.

 

VII. Perspektiven

Nachhaltigkeit kann sich als Prozess nur allmählich vollziehen. Für BIKA wird es wichtig, die Elemente der Projektarbeit zu identifizieren, die eine Alleinstellung für Intervention im lokalen und im überregionalen Rahmen beanspruchen könnten.

Sowohl die besondere Ausprägung des Bündnisses als lokale Verantwortungsgemeinschaft, als auch die lokale Verankerung, die durch den Kiezatlas gekennzeichnet ist, sind schon jetzt als vorbildhaft einzuschätzen. Auch hat BIKA Strategien, Kooperationen, Arbeitsstrukturen und Steuerungsinstrumente angelegt, die es auszubauen gilt. Wenn es gelingt – wie angedacht – die Verantwortungsgemeinschaft zu einer lokalen, Koordinierungsstelle auszubauen, Qualitätsmerkmale zu erarbeiten und mit Hilfe einer Biografie leitenden Bildungspartnerschaft Strukturen für einen tatsächlichen Übergang in Ausbildung und Beschäftigung zu erreichen, wäre der BIKA WEG in die berufliche Integration erfolgreich verwirklicht. Was die bisherige Praxis in ihrer Moderationsarbeit bereits angedeutet hat – nämlich Partner aus Wirtschaft, Verwaltung und Politik zu ressortübergreifendem Denken und Handeln zu veranlassen – wäre mit einer derartigen Koordinierung entscheidend zu vervollkommnen.

Wenn zudem das Projekt es schaffte, ein Matching zwischen Unternehmen und Jugendlichen  zu unterstützen, würde sich die Aktionskette produktiv verlängern.

 

Zum Projektsteckbrief...