
I. Ausgangssituation
Ausgangspunkt für das Projekt CHANCENREICH ist die sehr differenzierte Situation von Jugendlichen an den Real- bzw. Gesamtschulen und Gymnasien in Bezug auf ihre berufliche Orientierung oder Berufsvorbereitung und die oft sehr ungleich verteilten individuellen Chancen. Hinzu kommen die hohen Anforderungen aus Wirtschaft und Ausbildung an die Ausprägung von Schlüsselkompetenzen. Da inzwischen neue Medien aus fast keinem Beruf mehr wegzudenken sind, wird vor allem die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler nachgefragt. Obwohl die technische Ausstattung hierzu in allgemeinbildenden Schulen zunehmend in guter Qualität vorhanden ist, sind methodisch-didaktische Ansätze der (planmäßigen) Nutzung von Medien im Fachunterricht und der damit verbundenen Professionalisierung der allgemeinen Mediennutzung von Jugendlichen eher selten oder zufällig.
II. Das Konzept
Der spezifische Projektansatz von CHANCENREICH besteht in der Nutzung neuer Medien bei der inhaltlichen Umsetzung der Angebote. Die Entwicklung und Förderung von Medienkompetenz bei Jugendlichen ist eine der wichtigsten Schlüsselkompetenzen, die in die Bereiche Berufsorientierung und interkulturelle Bildung hineinwirken.
Neben einer Medienkompetenz, wie sie in Ausbildung und Beruf gefordert ist, werden durch die aktive Mediennutzung die ebenfalls arbeitsmarktrelevanten klassischen Kulturtechniken sowie die Ausdrucksfähigkeit geschult. Zudem werden Verantwortungsbewusstsein und Teamfähigkeit der Jugendlichen gestärkt, um Vorurteilen und Diskriminierung verschiedener Gruppen untereinander entgegenzuwirken.
Methodisch setzt die Medienarbeit von CHANCENREICH bei der alltäglichen Nutzung beliebter und vertrauter Medien durch die Jugendlichen an. Die Medienarbeit stellt die Anschlussfähigkeit an die Alltagserfahrungen und Kenntnisse der Jugendlichen aller Schultypen her und bildet eine weitere Grundlage, von der aus den Problemen der Selektion, Stigmatisierung etc. mit gemeinsamen Bildungserlebnissen entgegen gewirkt werden und Durchlässigkeit konkret erfahrbar wird.
III. Inhalte und Methoden
Die Arbeitswelt liegt für die Jugendlichen zwar in absehbarer, aber nicht gern thematisierter Zukunft. Die Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf wird mit dem Projekt zum Thema gemacht. Die Kooperation mit Schulen hat zu etwa 100 Workshops und Projekttagen geführt, in denen interkulturelle Bildung und Berufsorientierung ins Bewusstsein der Jugendlichen gelangten. Die Formen der Projektangebote (Workshops im Unterricht, Projekttage oder Projektwochen) orientieren sich an den zeitlichen Ressourcen von Schulen und ergänzen bereits vorhandene Formen der beruflichen Orientierung im Unterricht. Dabei bedient sich das Projekt verschiedener, eigens erprobter und variabel einsetzbarer Verfahren aus seinem Methodenkoffer:
1. Verschiedene, handlungsorientierte und mediengestützte Kompetenzfeststellungsverfahren nehmen die Lebenswelt der Schüler/-innen zum Ausgangspunkt, um Jugendliche bei der Entdeckung ihrer Stärken zu unterstützen und so Berufsorientierung passgenau zu ermöglichen.
Besonders erfolgreich wird hier das Talentmobil eingesetzt, ein vom Projektträger entwickeltes Angebot für Schülerinnen und Schüler. Das Talentmobil enthält verschiedene Stationen und Lernszenarien, in deren Verlauf die Jugendlichen sich ausprobieren und Stärken entdecken. Methoden der Selbstreflexion und Fremdwahrnehmung begleiten diesen Prozess.
Im Fokus des Talentmobils stehen vor allem 6 Kompetenzen: der Ideensprudler (Kreativität), der Redekünstler (Kommunikationsfähigkeit), der Mannschaftsspieler (Teamfähigkeit), der Baumeister (Handwerklichkeit), der Webwohner (Medienkompetenz) und der Wegweiser (Organisations- und Leitungsfähigkeit).
2. Eine besondere Möglichkeit, Berufsbilder bzw. Berufe direkt kennen zu lernen, sind Interviews mit Mitarbeitern regionaler Unternehmen. Diese Jobinterviews haben häufig in beeindruckender und sensibler Weise Arbeitsfelder aus der Sicht Jugendlicher beschrieben.
CHANCENREICH nutzt den Berufswahlpass, ergänzt durch eigene methodische Ansätze, um Berufsorientierung als einen individuellen Entwicklungsprozess zu strukturieren, zu reflektieren und zu dokumentieren.
Darüber hinaus bietet CHANCENREICH mit dem virtuellen Praktikum eine ebenso originelle wie sinnvolle Methode, ein berufsorientierendes Praktikum in schwer zugänglichen Bereichen, wie z.B. in Medienagenturen zu absolvieren. Das Praktikum in der virtuellen Firma wird für die Zeit des regulären Schülerpraktikums in den 9. Klassen angeboten. Schulübergreifend erhalten die Praktikant/-innen Einblick in die Arbeits- und Berufswelt, agieren im Rahmen betrieblicher Organisation. Die Teilnehmenden lernen, wie Teamarbeit und Kommunikationsfähigkeit Hand in Hand gehen und sie begreifen, wie die sozialen und organisatorischen Strukturen eines Betriebs die Ausbildung bestimmen. Neben diesen allgemeinen Berufserfahrungen werden die jungen Praktikant/-innen in konkrete Arbeitsvorgänge der fiktiven Agentur integriert.
3. CHANCENREICH richtet sich auch an andere Zielgruppen: Das Zusammenwirken von Berufsorientierung und interkultureller Bildung ist das Grundthema einer Workshopreihe, die durch das Projekt CHANCENREICH entwickelt und erprobt wird. Diese Fortbildung für Multiplikatoren und Lehrkräfte vermitteln vor allem Wissen für die Praxis, um den eigenen Berufsalltag in der Beratung und Förderung von Jugendlichen oder anderen Zielgruppen noch interessanter gestalten zu können.
IV. Kooperationen
Das Projekt CHANZENREICH wird von Helliwood media & education verantwortet, einer Einrichtung des Fördervereins für Jugend und Sozialarbeit e.V. (fjs e.V.) in Berlin. Das Projekt kann auf Netzwerke und Partnerschaften bauen, die in langjähriger Projektarbeit mit unterschiedlichen Programmen gewachsen sind.
Im aktuellen Vorhaben arbeitet der Projektträger vorrangig mit langjährigen Partnerschulen aus Marzahn-Hellersdorf zusammen, einige neue Partnerschaften wurden auch in Friedrichshain-Kreuzberg geschlossen.
Darüber hinaus werden die Bundesagentur für Arbeit, die regionalen Jobcenter, die Jugendämter der oben erwähnten Bezirke, die Gesellschaft für Europabildung und vereinzelte Unternehmen in das Projekt einbezogen.
V. Erfolgsfaktoren
"Nil tam difficile est, quod non sollertia vincat!" (Nichts ist so schwierig, dass Einsicht es nicht bezwingen könnte) ist als Motto des Trägers konstituierend für die vielfältig angelegte Projektarbeit. Die flexiblen Angebotsformen des Projekts CHANCENREICH, vom Workshop, über den Projekttag bis hin zum virtuellen Praktikum sind ein Erfolgsfaktor. Hinzu kommen vielfältige und attraktive Methoden beruflicher Orientierung in enger Verbindung mit dem Einsatz neuer Medien.
Zur Verstetigung entwickelt CHANCENREICH ein Fachprofil interkulturelle Bildung für die berufliche Fortbildung. Aufbauend auf den Erfahrungen und Erkenntnissen der Multiplikatorenfortbildung soll die modulare Qualifizierung pädagogischen Fachkräften den Zusammenhang von interkultureller Handlungskompetenz, Berufsorientierung und globalisiertem Arbeitsmarkt praxisorientiert erschließbar machen.
VI. Herausforderungen und Perspektiven
Der Träger agiert hauptsächlich im angestammten Bezirk Marzahn-Hellersdorf und ist dort gut verankert. Erste Kooperationen entstehen auch in Friedrichshain-Kreuzberg, hier sind Erweiterungen möglich.
Eine weitere Herausforderung ist die öffentlichkeitswirksame Darstellung der erfolgreichen Schulkooperationen sowie der positiven Erfahrungen des besonderen Projektansatzes von CHANCENREICH – der Nutzung neuer Medien bei der Realisierung von Berufsorientierung und interkultureller Bildung.
Die neuen Aufgaben der Schulen durch die Berliner Schulstrukturreform sowie die weiterhin hohen Anforderungen von Berufsausbildung und Wirtschaft an die Ausbildungsfähigkeit von (allen) Jugendlichen machen die Notwendigkeit der Fortführung des Projektansatzes deutlich. Helliwood wird auch über den Förderzeitraum hinaus Möglichkeiten finden, um in diesem Bereich weiter engagiert zu sein.





